Internet(haupt)stadt Köln

Gestern fand in den Fraktionsräumen der SPD, auf deren Einladung, nach 2 Jahren eine Fortsetzung des Dialoges zum Thema „Internet(haupt)stadt Köln“ statt. Nachdem ich vor über 2 Jahren bei der Auftaktveranstaltung teilnahm und auch bei der Initiierung des im Februar 2010 stattgefundenen Barcamps aktiv beteiligt, bei diesem aber leider krankheitsbedingt verhindert, habe ich an der Gestriegen Veranstaltung neben Thomas Hegenbarth im Namen der Kölner Piraten teilgenommen.

 

Ziel der Veranstaltung war laut Einladung der Dialog und Austausch zu dem von der Verwaltung der Stadt Köln vorgelegtem Konzept der Internetstadt Köln, damit die SPD die Anregungen und Überlegungen in die politische Beratung des Konzeptes in den Rat der Stadt Köln einbringen kann.

 

Die Moderation wurde wie schon in der ersten Veranstaltung von Valentina Kerst übernommen. Diese hat nach einigen einleitenden Worten und organisatorischen Hinweisen, das Wort an Martin Börschel, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln, übergeben.

 

Martin Börschel ist zuerst kurz darauf eingegangen, was bis zum heute vorliegenden Konzept passiert ist und warum dies so lange gedauert hat. Danach ging er auf die heutige Veranstaltung (Diskussion und Konkretisierung) ein und wie der weitere Weg danach verlaufen wird. Das Konzept soll nach der Sommerpause 2012 vom Kölner Rat beschlossen werden und anschließend zur Umsetzung kommen.

 

Weiter ging es mit Elisabeth Slapio, der Geschäftsführerin der IHK Köln, die die Sichtweise der IHK zum Konzept und was diese heute schon bzgl. Internet aktiv in Köln umsetzt, darstellte. Seitens der IHK gab es zum Konzept nur lobende Worte und man stellte sich selber im besten Licht dar. Als Pflichtmitglied der IHK erwartet man von dieser aber in der digitalen Welt an erster Stelle dabei zu sein und durchaus einen kritischen Blick auf die Konzepte der Stadt. Hier war mir persönlich deutlich zu viel Wohlwollen im Spiel.

 

Den zweiten Impulsvortrag hielt Stephan Noller, CEO der nugg.ad AG. Er ging als Erster auch auf soziale und kulturelle Aspekte der Internetstadt ein und fand neben lobenden Worten für das ambitionierte Projekt auch Kritikpunkte, wie z.B. das die Verbindung von Internet und Kunst im Konzept unterrepräsentiert ist. Er traf außerdem die Aussage, dass das Konzept sich daran messen lassen muss, was umgesetzt wird und inwiefern es die „Herzen der Leute“ erreicht.

 

Jetzt wurde die Diskussion unter allen Teilnehmern eröffnet. Neben lobenden Worten gab es hier die ersten Anmerkungen, wie z.B. das der Prozess zu lange dauert oder man auch einfach mal „machen“ muss, statt nur Papier zu erzeugen. Wir Piraten haben hier nochmals unsere Bedenken bzgl. der Umsetzung geäußert, wenn nach 2 Jahren der Prüfung es z.B. immer noch kein RatsTV gibt, odere eine Beteiligung der Ratsmitglieder an Plattformen wie Abgeordnetenwatch.de quasi nicht stattfindet. Die Politik in Köln muss zeigen, das sie nicht nur über das Internet redet, sondern die Möglichkeiten auch aktiv nutzt und als gutes Beispiel vorangehen.

 

Um den Dialog noch zu Intensievieren wurden jetzt die folgenden vier Themen in separaten Workshops weiter behandelt:

 

  • 1 Medienkompetenz
  • 2 Open Goverment, OpenData
  • 3 Internetwirtschaft
  • 4 Internet-Infrastruktur

 

Ich habe mich in den Workshop zum Thema Internet-Infrastruktur begeben, da ich als ausgebildeter Kommunikationselektroniker hier klar meine Kernkompetenz vertreten sehe.

 

In kleiner Runde von ca. 10 Personen, u.a. mit Martin Börschel (SPD), Martin Dörmann (SPD), Werner Stüttern (Stadt Köln), Raymund Witte (NetCologne), Harald Summa (ECO) und Valentina Kerst, wurden Teilaspekte zum Thema Internet-Infrastruktur diskutiert.

Bedarf wird vor allem an der Peripherie der Stadt, wo noch der dörfliche Charakter vorherrscht, gesehen, z.B. in einem der größten Neubaugebiete Deutschlands (PrimaColonia) in Widdersdorf ist DSL mit gerade so 6 MBit/s verfügbar. Hier ist an Bandbreiten >50 MBit/s noch gar nicht zu denken.

Aus Sicht von Herrn Witte ist das Angebot in Köln deutlich größer als die Nachfrage und er sieht keinen Bedarf für einen weiteren Ausbau, solange nicht entsprechende Produkte im Netz eine Nachfrage erzeugen (Henne/Ei Problem). Weiterhin sieht er keinen Bedarf an WLAN Netzen, da diese nicht genutzt werden, was aber nach Meinung der anderen Teilnehmer bei Preisen von 8 €/Std. auch nicht verwunderlich ist.

Von Seiten der Stadt wurde angemerkt, dass Bauvorgaben u.u. Änderungen an der Gesetzgebung auf Länder-/Bundesebene erforderlich machen.

Bzgl. freies WLAN kam die Anregung auf, dass die Stadt Köln sich an der Initiative im Bundesrat, der Städte Hamburg und Berlin, beteiligen möge. Diese hat das Ziel, die Gesetzgebung zur Störerhaftung zu ändern, damit die Zurverfügungstellung eines offenen WLAN für den Inhaber nicht zur juristischen Falle wird. Anschließend sollte die Stadt dann eine Kampagne starten und Bürgernetze (Freifunk) unterstützen und fördern. Dadurch ließe sich mit minimalem Kostenaufwand ein großflächiges kostenloses WLAN aufbauen.

Sehr verwundert bin ich über die Innovationslosigkeit von Seiten NetCologne, hier scheint die Haltung so zu sein, das solange der Kunde ein Produkt nicht kaufen möchte man auch nicht in den Breitbandausbau investiert (ohne Angebot keine Nachfrage und umgekehrt). So findet kein Fortschritt statt und kann auch keine Innovation auf der Anbieterebene stattfinden. Hier denke ich ist politisches Eingreifen angeraten, wo ist die Vision?

Spannende Fragen sind in dem Zusammenhang, wie entwickelt sich die Stadt der Zukunft, wie z.B. das Internet der Dinge oder Cloud-Dienste (Ausbau der UpStream-Geschwindigkeit). Welchen Bandbreitenbedarf haben wir zukünftig und welche Dienste wird es geben (RatsTV in HD / 3D mit mehreren Kameraperspektiven).

 

Nach einer Stunde Diskussion in den Workshops kamen die vier Gruppen wieder zusammen. Eine Präsentation der Ergebnisse hat es nicht direkt gegeben, es wird aber ein Ergebnisprotokoll dieser von der SPD-Fraktion online gestellt werden. Außerdem wurde die Frage nach dem Bedarf für weitere Treffen oder einem Barcamp gestellt. Ich sehe hier durchaus den Bedarf, denn in der einen Stunde wurden viele Themen wenn überhaupt nur angeschnitten. Vielleicht ist eine Vertiefung aber auch erst sinnvoll, wenn das Konzept durch den Rat verabschiedet ist und es an die Feinkonzeptionierung und Umsetzung geht.

 

Wir Kölner Piraten werden ab jetzt aktiv am Ball bleiben und nicht wie nach dem Barcamp im Februar 2010 einfach nur abwarten, was denn da kommt. Ich möchte jeden an einer Mitarbeit interessierten dazu anregen sich bei mir zu melden.

 

Soweit erstmal meine 1000 Wörter zur Veranstaltung 🙂 Wie hat es Euch gefallen und was habt Ihr anzumerken?

6 Gedanken zu „Internet(haupt)stadt Köln“

  1. Erst mal vielen Dank für das Protokoll. Um eine ungefähre Vorstellung von der Veranstaltung zu bekommen ist das wirklich hilfreich! Schade das die einzelnen Ergebnisse der Arbeitsgruppen nicht mehr vorgestellt wurden, das hätte mich an der Stelle noch interessiert. Auch wenn natürlich klar ist, dass in einer Stunde nicht mehr als ein oberflächlicher Ideenaustausch zu Stande kommen kann. Ich werde dann mal auf das Protokoll der SPD warten. Eine Mitarbeit kann ich mir ebenfalls durchaus vorstellen! Das Thema ist grade auch im Bezug zum Medienstandort Köln extrem wichtig. Nicht nur für die Stadt, sondern auch für die umliegenden Kreise!

  2. Hi, ich will nicht zu nōrgelig rūberkommen, aber auf meinem Android -Tablet liegt die rechte Werbespalte ūber den Inhalten in der Hauptspalte. Das stört den Lesefluss etwas.
    Olav

  3. @Olav: Danke für den Hinweis, das Layout bedarf schon länger einer Überarbeitung, ich komme aber einfach nicht dazu :/

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